Vom Reisgewürz zum Coffee Hero
Pandan ist in Südostasien das, was Vanille im Westen ist. Großmütter wickeln die Blätter in Reis, Konditoreien färben damit Kuchen leuchtend grün, Streetfood-Stände aromatisieren Kokossirup für Eiskaffee. Die Pflanze begleitet die kulinarische Identität von Thailand bis Malaysia seit Jahrhunderten. Was neu ist: Specialty Coffee Röster und Baristas entdecken Pandan als Aromaträger für ihre Drinks.
Der Auslöser liegt in einer Verschiebung, die sich seit etwa drei Jahren in der Szene abzeichnet. Specialty Coffee bewegt sich weg von immer extremeren Fruchtnoten hin zu komplexeren, salzigeren, kräuterigeren Profilen. Miso im Cold Brew, Olivenöl im Espresso, Tomate in der Affogato. Pandan passt perfekt in diese Bewegung. Das Aroma ist vertraut genug, um nicht abzuschrecken, und fremd genug, um auf Instagram aufzufallen.
Dazu kommt ein zweiter Faktor, den Perfect Daily Grind in seiner Analyse hervorhebt: Die südostasiatische Diaspora prägt die Café-Szenen in London, Melbourne, Sydney und mittlerweile auch Berlin aktiv mit. Was diese Baristas auf den Tisch bringen, sind keine Übersetzungen westlicher Klassiker, sondern eigenständige Drinks. Ein Pandan Latte trinkt sich anders als ein Vanilla Latte, und genau darin liegt seine Anziehungskraft.
Warum Pandan Coffee gerade jetzt funktioniert
Drei Entwicklungen treffen in diesem Moment aufeinander. Erstens verändert sich das Geschmacksempfinden einer ganzen Generation. Wer mit Bubble Tea, Matcha Latte und Yuzu-Limonade aufwuchs, sucht im Kaffee nach denselben Aromenwelten, die im Tee längst etabliert sind. Pandan füllt diese Lücke, weil es eine grüne, leicht florale Süße mitbringt, die sonst kein Standardsirup liefert.
Zweitens reagiert die Branche auf eine Übersättigung mit künstlichen Aromen. Karamellsirup aus der Pumpflasche fühlt sich für viele Gäste mittlerweile altmodisch an. Frische Pandanblätter, langsam in Milch oder Sirup infundiert, sind das Gegenteil davon. Sie erzählen eine Geschichte von Handwerk, Herkunft und echter Zutat. Und genau das funktioniert in Cafés, die ihre Kundschaft mit Specialty Bohnen aus transparenten Lieferketten versorgen. Drittens spielt Pandan Coffee visuell in einer eigenen Liga. Das natürliche Grün der Blätter ergibt in Kombination mit Espresso eine Farbpalette, die auf Social Media sofort auffällt. Ein Pandan Iced Latte sieht nicht aus wie irgendein Saisondrink. Er sieht aus wie ein Statement.
Wie Pandan im Kaffee schmeckt
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, wie du es zubereitest. Frische Pandanblätter, kalt in Milch eingelegt und zwölf Stunden gezogen, ergeben eine sanfte, vanillige Basis, die einen mittelhellen Espresso wunderbar trägt. Ein Sirup aus Pandan und Rohrzucker bringt mehr Süße und Tiefe, passt aber besser zu dunkleren Röstungen mit Schokoladennoten. Wer Pandan extrahieren oder als Pulver verwenden möchte, geht eher in Richtung Bäckerei-Aroma, was im Kaffee schnell zu intensiv wirkt.
Die spannendsten Kombinationen entstehen mit hellen, fruchtbetonten Bohnen. Ein washed Ethiopia mit Bergamotte- und Jasminnoten plus Pandan-Cold-Foam, und du bekommst einen Drink, der gleichzeitig vertraut und vollkommen neu schmeckt. Mit unseren helleren Single Origins aus dem Rowdy Beans Sortiment funktioniert das Profil besonders gut, weil die florale Seite der Bohnen das grüne Aroma der Pandanblätter direkt aufnimmt. Bei dunkleren Espressi bleibt Pandan eher im Hintergrund und legt sich wie eine cremige Schicht über die Schokoladennoten. Das ergibt einen Drink, der entfernt an Pandan-Kaya erinnert, an dieses südostasiatische Frühstückshighlight aus Toast, Kokosmarmelade und gesüßter Kondensmilch.
Was das für die nächsten Saisons bedeutet
Wenn die Prognose stimmt, taucht Pandan Coffee in den nächsten zwölf bis achtzehn Monaten auf den Karten der ambitionierten Cafés in Westeuropa auf. Die ersten Röstereien experimentieren bereits mit Pandan-infundierten Cold Brews in kleinen Batches. Sirup-Hersteller im Specialty-Bereich nehmen Pandan in ihre Sortimente auf. Und Baristas teilen auf Instagram Rezepte für Pandan Espresso Tonic, Pandan Affogato und Pandan Iced Mocha. Was diesen Trend von kurzlebigen Hypes wie Whipped Coffee oder Cloud Coffee unterscheidet, ist die kulturelle Tiefe. Pandan ist keine Erfindung des Internets, sondern eine Zutat mit jahrhundertealter Verwendung. Trends mit echtem Hintergrund halten länger als reine Optikphänomene, und das spricht dafür, dass Pandan im Kaffee länger bleibt als nur eine Saison. Du beobachtest den Trend gerade von außen oder testest schon selbst. So oder so lohnt sich der Schritt, einmal frische Pandanblätter zu besorgen, sie in Hafer- oder Vollmilch zu infundieren und mit einem hellen Espresso aus deinem Rowdy Beans Stash zu kombinieren. Es ist das einfachste Experiment, das du dieses Jahr machst, und vielleicht das aufregendste.
Fazit
Pandan Coffee ist mehr als ein weiterer Aromentrend, der nach einer Saison wieder verschwindet. Die Kombination aus kultureller Tiefe, sensorischer Eigenständigkeit und visueller Wirkung trifft genau den Punkt, an dem Specialty Coffee gerade steht. Wer jetzt anfängt, mit Pandan zu experimentieren, ist nicht spät dran, sondern früh genug, um den Geschmack mitzuprägen, bevor er auf jeder zweiten Café-Karte steht. Schnapp dir helle Bohnen, frische Blätter und etwas Geduld beim Infundieren, und du weißt nach dem ersten Schluck, warum die Branche gerade so genau auf diese grüne Pflanze schaut.
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